Händchenhalten.

Mit dem Hashtag #HoldTight lancierte die australische Bank ANZ eine Kampagne zur Stärkung von LGBTQI*-Sichtbarkeit (und zur eigenen Imagepflege natürlich), denn:

Even in 2017, the simple act of holding hands is still difficult for some people.

Das Video stimmt mich nachdenklich. Auch wenn ich mich grundsätzlich als relativ „out and proud“ bezeichnen würde, habe ich mich schon dabei ertappt, die Hand meiner Frau in gewissen Situationen loszulassen oder nicht zu halten. Aus Angst, doof angeschaut oder gar angemacht zu werden, meist in gewissen Stadtteilen oder Situationen und auch in Gegenden und Ländern, die mir nicht vertraut sind. In vielen Fällen ist eine solche Angst wahrscheinlich unbegründet und es würde uns nichts passieren. Ein schiefer Blick tut außerdem nicht weh. An guten Tagen kann ich aktivistisch sein und mir denken „Hier und jetzt erst Recht!“. Doch ist das mitunter (zu) anstrengend, kräftezehrend.

Es ist nicht nur das Händchenhalten. In Gesprächen mit Unbekannten oder im Arbeitsumfeld muss man oft in Sekundenschnelle abwägen, ob hier und jetzt ein Coming Out schädlich sein oder zumindest für eine beschämte/betretene Reaktion sorgen kann.

„Coming Out“ klingt so groß. Das ist es auch (immer noch), wenn man zum Beispiel seinen Eltern offenbart, dass man homosexuell ist. Im beschriebenen Kontext meine ich aber gar keine langatmigen Erklärungen oder Offenbarungen. Es ist falsch gedacht, wenn Leute sagen, man solle eben einfach zurückhaltend sein und müsse nicht jedem gleich seine sexuellen Vorlieben unter die Nase reiben. Ihnen möchte ich zurufen: „Leute, ihr macht das die ganze Zeit! Überlegt mal, wie oft ihr nur im Nebensatz euren Mann/Freund oder eure Frau/Freundin erwähnt!“

Ich lebe nun einmal nicht allein, warum sollte ich also so tun? Warum sollte ich erzählen, ich sei im Urlaub in England gewesen – wenn doch WIR in England waren. Warum sollte ich nicht vom letzten Kinobesuch oder Kochversuch am Wochenende erzählen, den wir gemeinsam unternahmen? Warum sollte ich nicht erwähnen, dass meine Frau Lehrerin ist, wenn sich das Gespräch um das Thema Schule dreht? Jede/r Heterosexuelle erzählt genauso nonchalant von seiner Freundin oder ihrem Mann.

Leider stelle ich diesbezüglich hin und wieder eine innere Hürde in mir fest -je nachdem, um welche Situation es geht, freilich. Dann muss ich mir bewusst vornehmen, „ganz natürlich“ damit umzugehen. Und bin dann erstaunt, wenn das andere tun. Wie letztens bei einer Fortbildung, wo beim Essen ein junger Mann ganz selbstverständlich einer anderen Teilnehmerin erklärte, dass sein Kollege, der auch dabei war, außerdem sein Ehemann ist. Mein Herz hat da einen richtigen Hüpfer gemacht – und das nicht nur, weil mein Gaydar richtig gelegen hatte.

So etwas gibt mir die Hoffnung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ähnlich ging es mir am Valentinstag. Auch wenn das nun nicht zwingend ein Anlass ist, den wir feiern, ergab es sich, dass wir am Abend in einem Restaurant aßen – zusammen mit lauter Heteropärchen. Beim Verlassen des Lokals erhielt jede Dame dieser Pärchen von der Chefin eine Rose. Und siehe da, als wir gezahlt hatten, kam die Chefin mit zwei Rosen zu uns. Ich gestand ihr, dass ich mich schon gefragt hatte, wie sie das denn bei uns wohl machen würde. Sie lachte und sagte, darauf wäre sie immer vorbereitet. Leider habe ich versäumt, sie zu fragen, wie sie bei einem Männerpaar verfahren wäre – keine Rose, zwei Rosen?

Solche positiven Erlebnisse machen mir jedenfalls Mut. Aber auch die Tatsache, dass große Firmen mit Kampagnen wie der obigen (in Deutschland vergleichbar auch die aktuelle Telekom-Werbung) vielfältige Lebensweisen unterstützen und sich gar von dieser Offenheit Pluspunkte fürs Image versprechen. So nehme ich mir fest vor, zukünftig öfter mal die Hand meiner Frau ganz fest zu halten, wenn ich eigentlich den Impuls verspüre loszulassen und mir nicht auf die Zunge zu beißen, wenn mir auf selbiger läge, von ihr zu sprechen.

Shoppen.

Ab und an gehöre ich gern zu den Leuten, die groß rumtönen, dass sie schon eeeeeeewig nichts mehr bei Amazon bestellt haben und das auch nie wieder tun werden, denn mal ehrlich: die Arbeitsbedingungen dort, das Sterben der kleinen Einzelhändler*innen, die Steuern, die nicht bezahlt werden, die Überwachung, die Undurchsichtigkeit, usw…

Wenn man ehrlich ist, ist das Schönfärberei. Denn natürlich verhalte ich mich bei Weitem nicht so nachhaltig, wie ich wollte. Da kaufe ich zwar hin und wieder ein Teil bei ArmedAngels, aber dann seh ich eine Jeans bei S’Oliver, die (selten genug) sogar passt und kaufe sie spontan. Lange liebäugelte ich mit dem Fairphone – um mir dann doch wieder ein iPhone zu kaufen, wenn auch erst, nachdem mein bisheriges nach über vier Jahren wirklich den Geist aufgegeben hatte. Musik höre ich liebend gern über Spotify, wohl wissend, dass die Künstler*innen da nicht viel Geld sehen (aber tun sie das bei CDs?! Zum Beschönigen sag ich mir, dass ich immerhin auf Konzerte meiner Lieblingskünstler*innen gehe und hoffe, dass ihnen etwas vom Ticketpreis bleibt…). In der Küche hängt die Liste, welche deutschen Firmen Produkte von Monsanto verwenden.. tja, und nebendran im Kühlschrank finde ich sicher eines davon, wenn ich gut suche – auch wenn wir uns Mühe geben und viel im Bioladen kaufen.

Doch zurück zu Amazon. Gestern wäre ich fast so weit gewesen, dort eine Bestellung aufzugeben – aufgrund eines sehr unbefriedigenden Offline-Kauferlebnisses. Beziehungsweise Nicht-Kauferlebnisses. Wir hatten den großen Vorsatz, schon lange geplante Anschaffungen endlich zu tätigen. Natürlich im Laden, wegen der Beratung und des „Touch & Feel“. Auf der Liste standen ein Notebook, eine Brotschneidemaschine und (mit Fragezeichen versehen) ein Kärcher Fenstersauger. Gut, vielleicht war das Einkaufszentrum in der Nähe dafür nicht das idealste Ziel, aber aus Zeitmangel entschieden wir uns dafür. Gut, es hätte uns vielleicht vorher klar sein können, dass wir die „gesparte“ Zeit dafür benötigen würden, den richtigen Ausgang des Einkaufszentrums zu finden, um den Weg zum benachbarten Saturn zu erwischen. Endlich im Laden angekommen, stellte sich heraus, dass die gewünschte Version des angedachten Notebooks nicht vorrätig war. Also weiter zu den Brotschneidemaschinen – hier verhielt es sich wiederum so, dass unter den ausgestellten Maschinen zwar ein Modell dabei war, welches in Frage kam, doch dies war nur das unverkäufliche Ausstellungsstück. Gleiches widerfuhr uns beim Karstadt, den wir anschließend ansteuerten. Ernsthaft, warum werden da Geräte zum Verkauf ausgestellt, die man tatsächlich gar nicht kaufen kann? Sehr frustierend! Es erübrigt sich zu sagen, dass der Fenstersauger nicht vorrätig war… „wir erwarten jeden Tag die Lieferung…“.

Mit leeren Händen kehrten wir also leicht entnervt nach Hause zurück, wo ich gleich online nach den gewünschten Produkten suchte. Dabei stellte sich heraus, dass es einen noch viel besseren (da klappbaren und somit platzsparenden) Allesschneider gibt – natürlich las ich brav einige Rezensionen, denn dieser Service der Amazon-Krake ist durchaus vorteilhaft. Auf Saturn.de stellte ich fest, dass die Option „Marktverfügbarkeit prüfen“ angeboten wird. Siehe da, ich hatte unseren Einkauf wohl einfach nicht gut genug geplant! So werde ich morgen nach Feierabend nochmals losziehen, um in verschiedenen Läden die gewünschten Produkte zusammenzusammeln. Denn bei Amazon mag ich sie immer noch nicht bestellen, aus oben genannten Gründen, aber ganz ehrlich gesagt auch, weil wir die Pakete nicht bei der „Postfiliale des Grauens“, wie wir sie getauft haben, abholen wollen. Für mich fast der Hauptgrund gegen Onlinekäufe, also kein Amazon (auch) aus Bequemlichkeit. Mal ganz ehrlich…

Solidarität.

Es ist eher eine Kalenderweisheit, dass in allem Schlechten auch etwas Gutes steckt (viel schöner übrigens mal wieder im Englischen: „Every cloud has a silver lining“). Doch finde ich tatsächlich, dass diese Tage mit ihren täglichen Trump- und sonstigen Horrormeldungen durchaus auch Gutes ans Licht befördern. Der Super Bowl war politisch wie nie mit Werbespots zu Inklusion und Vielfalt, und dann war da noch Lady Gaga. Yeah.

Deshalb mag ich eigentlich nicht in das Lamento einstimmen, dass der Mensch an sich nicht solidarisch ist. Zum Glück erlebt man das Gegenteil,

Auch in meiner „Bubble“ erlebe ich viel Solidarität und Engagement. Am Wochenende nahm ich an einem Praxisaustausch zum Thema „Inklusive Kinder- und Jugendarbeit“ teil. Es war wirklich unglaublich beeindruckend und inspirierend zu sehen, was bundesweit auf die Beine gestellt wird, was Menschen mit viel Enthusiasmus und Herzblut schaffen!

So gehen die Klimpansen ehrenamtlich mit Kindern mit und ohne Behinderung klettern, zum Beispiel auch ein blindes Mädchen kann hier dabei sein.
Als Reaktion auf den Pisa-Schock gründeten Naturwissenschaftlerinnen und Pädagoginnen in Bonn „Abenteuer Lernen“ und bringen den Kids mit Experimenten und viel Enthusiasmus so viel bei – auch hier mit ganz viel ehrenamtlichem Engagement.
Auf der Jugendfarm Schwarzach treffen sich Kinder mit und ohne Behinderung zum Spielen, Erkunden und Abenteuer erleben.
Bei WIK – Wir im Kiez in Berlin-Steglitz kreieren Jugendliche mit und ohne Behinderung zusammen Stadtführungen der anderen Art.
Bei den Mixed Pickles aus Lübeck bilden Mädchen mit und ohne Behinderung zusammen ein Redaktionsteam für einen Blog und erzählen dort, was sie so machen und erleben. (Das mit den Modellbaufiguren will ich schnellstmöglich auch ausprobieren!)

Ich hätte da noch eine Kalender-Weisheit: Jede/r kann etwas dazu beitragen, dass diese Welt eine bessere wird. Man muss nur anfangen. Und jetzt ist der beste Moment dafür!

 

 

Zugabe.

So konnte ich die Winterlaune wirklich nicht stehen lassen, deshalb kamen nun noch ein paar Lieder dazu:

Bilderbuch „Bungalow“
Die Frage war ja, wie bekommen wir Judiths Optimisten mit der Nase am Asphalt wieder hoch? Da helfen doch die freundlichen Jungs von Bilderbuch mit ihrem schön sinnfreien Song „Bungalow“ gerne:

Ich brauch‘ Power für mein‘ Akku
Keine Power in mein‘ Akku
Baby, leih‘ mir deinen Lader
Ich brauch mehr Strom.

„Lader“ für Ladegerät? Echt leiwand. Was wären wir nur ohne euch, liebe Ösis?

Sébastien Tellier „Divine“

Noch so ein schöner sinnfreier Song. Der Sound klingt schon fast nach Fahrstuhl, aber irgendwie wippt man eben doch mit. Erinnert mich zum einen an den unglaublichen Har Mar Superstar (der sich auf der Bühne immer auszieht), zum anderen vielleicht auch an die Scissor Sisters? Jedenfalls will man manchmal gar nicht mehr zu einem Lied wissen – wie hier: tatsächlich war es der Beitrag Frankreichs beim Eurovision Song Contest 2008, Platz 18. Oops.

Lydmor & Bon Homme „Trampoline“

Die obige Akustik-Version ist sehr schön, aber auf meiner Spotifyliste findet sich das Original. Der Däne Tomas Hoffding gehört auch zur Band WhoMadeWho, solo nennt er sich Bon Homme und hat zusammen mit Lydmor im Herbst ein hörenswertes Album veröffentlicht. Der Song startet mit rechtem Geschnaufe… vom Trampolin-Hüpfen etwa? Passt bestens, wenn man ihn beim Laufen als fünftes oder sechstes Lied wählt. 😉
Aber im Ernst: die Mischung aus melancholisch und dancig mag ich…  ein schöner Wintersong, finde ich.

Sohn „Hard Liquor“

Nigelnagelneu – Sohns zweites Album mit dem Titel „Rennen“. Gefällt mir sehr gut,  der erste Track „Signal“ war schon sehr cool. Auch „Hard Liquor“ kommt etwas düster daher, das Video ebenfalls.

Teitur „Catherine the waitress“

Aber zu düster soll es auch nicht werden, darum wird es jetzt wieder etwas mehr up-beat. Teitur, Singer-Songwriter von den Faröer Inseln, kenne ich nur dank Judith Holofernes, immerhin hat er an ihrem Album „Ich bin das Chaos“ (der Titelsong ist mittlerweile auch draußen – dringend anhören!!), welches im März erscheinen wird, mitgewirkt und wird auch bei der Tour dabei sein. Ich freu mich auf ihn, denn seine Songs kommen leichtfüßig daher, haben aber Substanz und doch auch eine leichte Traurigkeit… so wie hier, wenn er die Bedienung Catherine besingt, die ihn einfach nicht sehen mag.

Alice Merton „No Roots“

Bam, schon ab dem ersten Beat liebe ich diesen Track. Und das ist erst das Debüt dieser Sängerin… da kann noch einiges kommen. Ich glaube, die Lady sollte man mal im Auge behalten!

 I like digging holes and hiding things inside them
When I’ll grow old I hope I won’t forget to find them.

 

Judith Hill „Desperation“

Zum Abschluss noch was fürs Herz. Die Doku „20 Feet from Stardom“ sei jedem Musikfan empfohlen. Auf den Spuren all der unglaublich tollen Background-Sängerinnen, ohne die viele Hits gar keine geworden wären, erfährt man viel über das Musik-Business. Es ist nicht immer nachzuvollziehen, warum jemand vorne im Rampenlicht steht und jemand anderes mit einer Hammer-Stimme doch sein Leben lang im Background bleibt. Judith Hill will nun nach vorne und eine eigene Karriere schaffen – zu wünschen wär es ihr!

Winterlaune.

Seit ich Spotify-Kundin bin, erstelle ich mehr Playlists als früher (natürlich abonniere ich noch mehr), aber mehr für meinen eigenen Hausgebrauch. Das ist denkbar einfach und bequem. Früher hingegen habe ich öfters mal Mixtapes bzw. CDs erstellt und gebrannt, mit passendem Cover, für mich und für Freundinnen und Freunde, die daran interessiert waren.

Da ich aber nun so gut wie keine Musik mehr kaufe und mein Musikkonsum quasi nur noch übers Smartphone passiert, gibt es keine „Launen“ mehr. Launen hier im positiven Sinne, denn je nach Jahreszeit gab es von mir die „Herbstlaune“, die „Sommerlaune“ oder die „Frühlingslaune“ des jeweiligen Jahres. Nie jedoch eine Winterlaune, wenn ich mich recht entsinne.

Daher also nun die Premiere – die Winterlaune 2016-17, zwar nicht als CD, dafür aber mit Erklärungen, warum der eine oder andere Song dabei ist!

The XX „On Hold“

Ihren ersten Hit hatten The XX (damals noch als Teenager!) im Jahr 2009 mit „Crystalised“ – einfach ein Wahnsinns-Track. Seitdem verfolge ich die Band und fand immer Gefallen an ihrem sehr eigenen, fragilen und doch so kraftvollen Sound.
„On Hold“ war Ende 2016 die erste Single aus dem neuen Album „I see you“, das dann in diesem Monat erschienen ist.  Fängt melancholisch an wie ein typischer The XX-Song, um dann ungewöhnlich dancig zu werden… cool. Liegt vielleicht auch an dem netten Sample von „I Can’t Go For That (No Can Do)“ von Hall and Oates, welches drinsteckt.
Auch das restliche Album (z.B. Say Something Loving“) finde ich sehr hörenswert und freue mich schon aufs Konzert im Februar!

Kid Cudi ft. Pharrell Williams „Surfin“

A propos „dancig“ – das ist das Hauptkriterium bei „Surfin“… es fährt mir einfach in die Beine und macht gute Laune, ja Sommerlaune, und das im Winter. Kid Cudi kenne ich ansonsten überhaupt nicht, aber ich höre auch nicht viel Rap. Pharrell Williams hat hier noch seine Finger mit drin, mehr kann ich dazu auch nicht sagen, ohne zu recherchieren…
Aber hey:

 Now I ain’t ridin‘ no waves
Too busy makin‘ my own waves, baby
Surfin‘ on my own wave, baby!

Hannah Williams „Ain’t enough“

Wenn im Hintergrund das Radio läuft und meine Frau dann plötzlich anfängt, durch die Wohnung zu dancen, dann ist klar, dass das Lied auf die Playlist muss. Ich bin sehr froh über das momentane Comeback von Funk & Soul, ob es nun die leider gerade verstorbene Sharon Jones, der geniale Charles Bradley, Gregory Porter oder eben Hannah Williams ist – diese Musik lässt einen nicht stillsitzen! Und ich mag’s einfach, wenn meine Frau durch die Wohnung tanzt – und mich mitreißt! 🙂

Mikhael Paskalev „Witness“

Keep dancing… Es wird gleich weitergetanzt beim nächsten Song! Vielleicht geht das bei Mikhael Paskalev gar nicht anders, schon bei „I spy“ musste man mitwippen und mittanzen. Und die Videos sind sehenswerte Kurzfilme.

The Shins „Name for you“

Schön bunt und poppig geht es weiter mit The Shins, mit „Name for you“, das im Januar erschien. Das Lied schrieb Frontman James Mercer für seine drei Töchter, immerhin als „Call for female empowerment„. Yeah!

Given all the drops in the ocean, better take it one sip at a time.
Somebody with an antique notion comes along to tighten the line,
they’re just afraid  of you speaking your mind.

Hundreds „Un-unify“

Jetzt aber endlich melancholischere Wintermusik, von einer Hamburger Band. Als Video hab ich nur einen Live-Mitschnitt von Aspekte gefunden, den ich hier nicht einbetten kann.
Dafür gibt es aber ein Video des wunderbaren Remakes des Songs von Foxos, der noch viiiiiel melancholischer ist und den ich gestern beim Kücheputzen dank Markus Kavka auf EgoFM gehört habe:


Hach, wie schön!

London Grammar „Rooting for you“

Let winter break
Let it burn ‚til I see you again
I will be here with you
Just like I told you I would
I’d love to always love you
But I’m scared of loneliness
When I’m, when I’m alone with you

Noch ein melancholischer Wintersong… eine unglaublich starke Stimme, die einen in ihren Bann zieht… Besonders schön ist die Akustik-Version im Video oben, erst spät setzt hier die Musik ein, aber die hat man vorher gar nicht vermisst. Wow!

Conor Oberst „A little uncanny“

Vergangene Woche ist Conor Oberst im Münchner Postpalast aufgetreten. Was er und wir vorher nicht wussten: er trat in einem Kühlschrank auf. Bei krassen Minusgraden draußen sparte der Veranstalter an der Heizung –  das war schade, denn schließlich war es als „intimate solo performance“ angekündigt und diese hätte besser in einen kleinen, gemütlichen, kuschligen Club gepasst. Dennoch hat er mich berührt, der Conor, mit seiner Stimme, seiner Gitarre, dem Klavier und der Mundharmonika.
Auf der Bühne zeigte er sich politisch und entschuldigte sich wortreich und ausführlich für sein Volk und die Wahl Trumps, in „A little uncanny“geht es unter anderem noch um Ronald Reagan…

You know old Ronnie Reagan
He was a shoe salesman’s son
He got himself in the movies
He impressed everyone
He thought trial by fire
Was America’s fate
He made a joke of the poor people
And that made him a saint

But he was tan enough, he was rich enough
He was handsome like John Wayne
And there was no one at the country club
Who didn’t feel the same

But it’s a, it’s a little uncanny
What he managed to do
Got me to read those Russian authors through and through

Avec „NFYT“

Das kleine Land Österreich bringt ja wirklich unglaublich viele tolle Musikerinnen und Musiker hervor. Avec gehört seit letztem Jahr für mich dazu, mit ihrer bezaubernden Stimme ist sie eine wunderbare Singer-Songwriterin.  NFYT steht übrigens for „Not forgiving you this“ und ein bittersüßer Titel – das ganze Album ist sehr empfehlenswert!

Bon Iver „8 circle“

Vom neuen Bon Iver-Album hab ich ja schon ausführlich geschwärmt, und natürlich passt dieser Sound bestens auf eine Winterlaune. Definitv Musik, die mich berührt!

Fil Bo Riva „The Falling“

Berührende Musik… und was für eine krass durchdringende Gänsehaut-Stimme dieser Fil Bo Riva doch hat, Wahnsinn! Schon „Killer Queen“ und „Like Eye Do“ haben mich umgehauen, dann auch „Franzis“ und eben „The Falling“. Ich glaube, mir gefällt einfach alles, was er macht!

Regina Spektor „The Light“

Regina, Regina… von ihr gefällt mir definitiv auch alles, was sie macht – wie auch schon ausführlich beschrieben.

Sie ist auch einfach eine großartige Frau – erst heute postete sie ihren kraftvollen Auftritt beim Women’s March, wo sie unter anderem „Blowing in the wind“ sang.

Außerdem sind auch alle ihre Texte lesenswert, das war schon in ihren Anfängen so (eine meiner Lieblingszeilen ist aus „Folding Chair“: I got a perfect body, But sometimes I forget, I got a perfect body,  Cause my eyelashes catch my sweat) und das ist auch beim neuen Album, wie z.B. bei „The Light“ so:

The light was shining in my eyes before I closed them
And all the dreams I had the night before came back
The faces that I’d seen looked so familiar
But they’re just strangers, I haven’t met them yet
I know the morning is wiser than the evening
I know that wrong and right can sometimes look the same
So many things I know, but they don’t help me
Each day I open up my eyes and start again
Judith Holofernes „Der letzte Optimist“

Noch eine großartige Frau, die nonchalante Judith Holofernes. Ich hab sie geliebt bei „Wir sind Helden“ und auch wenn ich diese Band heute immer noch vermisse, so bin ich doch dankbar und froh, dass sie auf Solopfaden unterwegs ist und immer noch tolle Musik macht. Außerdem war ich sehr glücklich über ihre etwas andere Weihnachts- und Neujahrsplaylist auf Spotify und lese auch gern ihren Blog.
Und freue mich auch hier schon sehr aufs Konzert!! 🙂
Der Vorbote zum heiß ersehnten neuen Album (mit dem genialen Titel „Ich bin das Chaos“) kommt überraschend düster, fragil, traurig daher… und ergreift einen wohl genau deshalb:

Nichts ist so trist
Wie ein Optimist
Mit der Nase am Asphalt
Der sagt, „Mir ist nicht kalt,
Ich bleib hier liegen.
Ich bleib hier liegen.“

Nichts hieran ist gut
Nichts werd ich daraus lernen
Mein Herz pumpt nichts als Blut mehr
Und hinter diesen Sternen
Nichts als Satellitenschrott
Unendlichkeit und Elend

Vielleicht nicht grad der positivste Abschluss für eine Compilation? Aber die kann ja auch noch erweitert werden… wenn mir noch was einfällt. Oder euch?

Dankbarkeit II.

Undankbar sein ist so einfach.
Dankbar sein für die schönen Dinge ist schon schwerer.
Doch dankbar sein für die schlechten und schweren Dinge, die einem widerfahren, das ist die echte Herausforderung.

Mal bei den kleinen Dingen angefangen:
Soll ich nun etwa dankbar dafür sein, dass es mich gestern morgens mit dem Radl gelegt hat, weil ich nicht mit dem Blitzeis gerechnet hatte? Das wohl nicht.
Es wäre auch etwas viel verlangt, gleich damit zu kommen, dass ich ja dankbar sein kann, dass ich überhaupt ein Fahrrad habe und dass ich aus einer schönen Wohnung in einer wunderbaren Stadt kam, um zur Arbeit zu fahren, die mir Spaß macht… Stimmt ja alles, aber verdammt, es hat erstmal wehgetan und war ärgerlich.
Aber wie es eben bei allem ist – mit etwas Abstand kann ich schon dankbar sein, natürlich für all das obige und außerdem dafür, dass mir außer ein paar blauen Flecken nix passiert ist. Das kann leider auch ganz anders ausgehen.

Viel schwerer fällt es einem natürlich, das Positive zu sehen, wenn einem ein größeres Missgeschick oder gar ein großes Unglück oder Unrecht widerfahren ist.

Ist denn wirklich alles zu irgendetwas gut?
Früher hab ich mir leichter getan, diese Frage mit Ja zu beantworten. Doch haben mich auch all die Krisen, Misserfolge, Enttäuschungen und schlimmen Ereignisse in meinem Leben (die zugegebenermaßen auf einer Skala eher weiter unten angesiedelt sind als bei vielen anderen Menschen, erst Recht global gesehen, aber mein schlimm ist eben mein schlimm, anders als bei Tocotronic
) zu der gemacht, die ich heute bin.

Die Menschen, die sterben mussten und die ich verloren habe, haben mich geprägt. Aus den Fehlern, die ich gemacht habe, habe ich gelernt. Erfahrungen, die ich gemacht habe, haben mich Demut gelehrt. Das waren zum Teil bittere Erfahrungen, darunter auch Erfahrungen, die mich heute noch nicht ganz loslassen… aber dennoch, dank ihrer habe ich mich persönlich weiterentwickelt. Auch wenn ich mir wünschen würde, dass ich das eine oder andere nicht hätte erleben/durchleben müssen, es hat mich auch weitergebracht.

Gerade in diesen persönlichen Krisen habe ich auch so viel Positives erleben dürfen:
Dass ich auch schwach sein darf. Dass ich eine Frau an meiner Seite habe, die in guten und in schlechten Zeiten zu mir steht. Dass ich echte Freundinnen und Freunde habe, die da sind, wenn ich sie brauche. Dass da viel Kraft in mir ist, auch wenn es sich nicht immer so anfühlt. Dass nicht immer alles schwarz und weiß und eindeutig ist. Dass ich mir selber treu sein kann. Dass mir verziehen wird und ich mir selber verzeihen kann. Dass ich scheitern und wieder aufstehen kann. Dass nichts sicher ist, aber dass man alles wagen kann und muss.

Dafür bin ich dankbar.

 

 

 

 

 

 

 

Dankbarkeit.


Aus irgendeinem perfiden Grund hält ja leider Freude über ein Ereignis nicht so lange vor wie Ärger. Der Mensch vergisst die schönen Erlebnisse also schneller als die negativen, statt länger glücklich darüber und dankbar dafür zu sein.

Daher gefällt mir die Idee so gut, die eine Bekannte auf Facebook geteilt hat: „This January start the year with an empty jar. Each week add a note with a good thing that happened. On New Year’s Eve, empty the jar and read about the amazing year you had.“

Warum also nicht? Heute geht’s los, und jede Woche werfen wir nun sonntags je ein Zettelchen in das Glas… bin mal gespannt!

Toll ist nämlich: Gerade merkte ich schon, dass es mir schwer fiel, mich zu entscheiden bei all den guten Dingen, die schon in den wenigen bisher vergangenen Tagen dieses Jahres passiert sind.
Da war unter anderem der schöne, lustige Start ins Jahr zusammen mit lieben Freund*innen, der ausgedehnte Spaziergang und das Reste-Fondue am nächsten Tag, die tollen, sonnigen und kalten Wintertage, die Treffen und guten Gespräche mit netten Leuten. Die wertvolle Beziehungszeit, Zweisamkeit und Nähe an den Feiertagen und dem langen Wochenende. Meine kindliche Freude über das neue Smartphone nach über vier Jahren, bei dem endlich wieder alles, auch die Kamera, funktioniert. Ein ganzer gemütlicher Tag unter dem Motto  des Christbaumlobens mit Freund*innen. Der witzige, überraschende Moment, als wir zufällig meinen Bruder und seine Frau in den Heute-Nachrichten unter den Zuschauer*innen einer Veranstaltung erkannten. Das leckere Abendessen nach einem Rezept meiner verstorbenen Mama (Hühnerbeine in Zitronen-Chili-Sherrysauce). Schließlich heute noch Schlittenfahren in der Stadt, Schnee- und Winterspaß.

Wie unerhört gut es uns doch geht! Sich dies regelmäßig bewusst zu machen statt über die negativen Dinge (die natürlich auch passieren) zu jammern, das ist doch der einzig wahre Vorsatz. Erinnert mich dran, bitte!

Jahreswechsel.

Alle jammern, wie schlimm doch 2016 war. Ich kann mich zumindest nicht erinnern, dass es in den vergangenen Jahren schon mal Aufmunterungs-Listen gab, was doch gut war im letzten Jahr.

Es ist schon einfach, da mit einzustimmen, denn es findet sich genug, was furchtbar, schrecklich, traurig war. Auf globalem Level allein, es herrscht schlimmster Krieg in Syrien, die Briten haben für den Brexit, die Amerikaner für Trump gestimmt, der Klimawandel schreitet voran, in der Arktis ist es warm wie nie. Das alles macht Angst. Das macht mir viel Angst, wenn ich an meine und die Zukunft nachfolgender Generationen denke.

Dann noch all die tollen Persönlichkeiten, die in diesem Jahr sterben mussten. Ernsthaft, nun auch noch George Michael –  was wären wir denn ohne sein Careless Whisper, Last Christmas und nicht zuletzt seine Version von The First Time Ever I Saw Your Face…? Hach.

Es stimmt also schon, viel war mies in diesem Jahr:

Privat war es im Grunde kein schlechtes Jahr für mich, doch einige Dinge haben mich auch gebeutelt. Lange war nicht klar, warum ich immer wieder Schmerzen an verschiedensten Stellen in meinem rechten Bein hatte, der Wanderurlaub musste storniert und umgeplant werden. Schließlich dann die Diagnose beidseitiger Leistenbruch, die OP inklusive meiner ersten Vollnarkose.
Auch wenn das nun nicht so dramatisch war, hat es mir doch vor Augen geführt, wie selbstverständlich ich bisher davon ausgegangen war, dass mein Körper schon so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Siehe da, eigentlich nicht überraschend, so selbstverständlich ist das nicht. Lesson learned.

Generell habe ich den Eindruck, verwundbarer zu sein als früher. Und, das ist vielleicht schon auch der selbst diagnostizierten Midlife Crisis geschuldet, manches geht mir näher, geht mir länger nach als früher, beschäftigt mich länger. Ich stelle schneller alles grundsätzlich in Frage, und manchmal ist einfach alles zu viel. Da ist mir in den vergangenen Jahren schon einiges an Unbeschwertheit abhanden gekommen, von der ich heute ab und an mal wieder etwas mehr brauchen könnte.

Doch, das ist ja auch klar, diese Veränderungen haben nichts mit dem mutwillig festgelegten Kalenderjahr zu tun. Trotzdem braucht der Mensch es wohl, an solchen Punkten mal eine Rückschau zu wagen. Und, wie in der auch sonst lesenwerten jetzt-Kolumne ganz wahr gesagt wird:

Sich auf die Suche nach dem zu machen, was 2016 gut war, was überhaupt in den vergangenen paar Jahren weltpolitisch und privat alles gut war, ist halt etwas anstrengender und weniger gemeinschaftsstiftend, als sich einfach in den Jammerchor der anderen einzureihen.

Also, das Gute suchen und finden! Dass ich zum Beispiel empfindsamer bin als früher, ist durchaus bereichernd. So schätze ich Geschehnisse, Beziehungen und Freundschaften mehr. Ich jage nicht mehr jedem Kontakt hinterher wie früher, egal ob dieser für mich bereichernd war oder nicht. Dafür bin ich dankbarer um die Leute, die ernsthaftes Interesse zeigen an mir sowie an den Themen, die mich bewegen.

Im vergangenen Jahr bin ich auf viele wohlwollende Menschen getroffen, die mir auf unterschiedlichste Art und Weise geholfen haben oder mich bereichert haben. In der Arbeit lief es gut, wenig Grund zur Klage. Jede Menge tolle Ereignisse gab es auch, Hochzeiten, Feierlichkeiten, Reisen, Ausflüge, inspirierende Veranstaltungen, und vieles mehr. Und, last but not least, wir haben Audioguide-Beiträge für das Münchner Stadtmuseum produziert. Doch, 2016 war auch ein gutes Jahr!

Was ja nicht heißt, dass es nicht noch Wünsche für 2017 geben darf…